Peking: Gebäude am Tiananmen-Platz

China-0539Der Tiananmen-Platz wird umrundet von wichtigen Bauten der Volksrepublik wie dem Chinesisches Nationalmuseum und der Großen Halle des Volkes. In der Mitte des Platzes steht die Gedenkhalle für den Vorsitzenden Mao. 
China-0536Die Halle wurde nach Maos Tod am 9. September 1976 erbaut und dient seitdem als Mausoleum, in dem die Leiche Mao Zedongs aufgebahrt ist. Wenn die Halle geöffnet ist, stehen die Menschen über Stunden in der Warteschlange, um einen Blick auf den einbalsamierten Leichnam zu werfen. Besonders für China-0538die Landbevölkerung ist Mao nach wie vor ein wichtiger Bezugspunkt.
Schon Deng Xiaoping soll gesagt haben, dass der Bau des Mausoleums eine politische Fehlentscheidung war. Und seit 2016 gibt es Pläne des Politbüros, die Gedenkhalle und damit Maos Leichnam in seine Heimatstadt Shaoshan umzusiedeln.
Vor dem Mausoleum stehen verschiedene Figurengruppen, die von der sozialistischen Revolution und dem Aufbau des Sozialismus handeln. Peking-0131

Auf der anderen Seite der Gedenkhalle steht das Denkmal für die Helden des Volkes. Erbaut wurde das Monument zwischen 1952 und 1958 in Erinnerung an die Menschen, die in den revolutionären Kämpfen des 19. und 20. Jahrhunderts in China gestorben sind.

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Nationalmuseum

Im Osten wird der Tiananmen-Platz vom Chinesisches Nationalmuseum begrenzt. 1959 fusionierten an dieser Stelle das Chinesisches Historisches Museum und das Museum der Chinesischen Revolution zum weltweit größten Museumsbau. Auf fast 200.000 Quadratmetern zeigt das Museum die Geschichte Chinas von den Urmenschen bis zur Industrialisierung und Modernisierung.China-0535

Das Stadttor Zhengyangmen begrenzt den Tiananmen-Platz im Süden. Es trennte die innere von der äußeren Stadt und war als  Haupttor größer und prächtiger als andere Stadttore. China-0540
Vor dem Durchgang des Stadttores ist heute eine China-0542Messingplatte mit dem Null-Punkt zur Berechnung von Chinas Schnellstraßen in den Boden eingelassen. Vier alte mystische Tiere – der grüner Drache, ein weißer Tiger, der rote Vogel und eine schwarze Schildkröte – repräsentieren den Osten, Westen, Süden und Norden. In der Mitte der Platte befindet sich ein Rad mit Speichen, die das System der großen Straßen symbolisieren, die von Peking aus in alle Teile Chinas strahlen.

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Große Halle des Volkes

An der Westseite des Platzes befindet sich China-0476schließlich die Große Halle des Volkes und das einzige Gebäude, welches ich auch von innen besichtige.
In dem Gebäude des sozialistischen Klassizismus werden die Parteitage der Kommunistischen Partei Chinas und das alljährliche Treffen des Nationalen Volkskongresses veranstaltet. Zudem dient die Halle des Volkes mit über 300 Sälen und Büroräumen zum Empfang von Staatsgästen und als Veranstaltungsort für nationale Feierlichkeiten.

Schon der Eingangsbereich ist feudal. Marmorfußböden und Säulen begrüßen den Gast, beleuchtet von großen Kristalllüstern.

Breite Treppenhäuser und Freitreppen führen in die verschiedenen Stockwerke. Es ist kaum etwas los und ich kann ungestört durch die Gänge wandeln.

China-0501In dem 4.500 m² großen Hauptsaal könnenChina-0502 mehr als zehntausend Menschen Platz finden. In den Fernsehbildern vom Nationalen Volkskongress, der in diesem Saal einmal jährlich veranstaltet wird,  bestimmen noch immer ältere Männer das Bild. Frauen sind nur wenige zu sehen.
Auf der Sitzung im März 2018 wurde hier mit großer Mehrheit die Begrenzung der Amtszeit von Präsident Xi Jinping aufgehoben. Westliche Medien schreiben, dass damit aus der Autokratie eine Diktatur geworden sei. Dabei sollte man bedenken, das auch die Amtszeit der deutschen Bundeskanzlerin nicht begrenzt ist, wenn sie denn wiedergewählt wird.

China-0492Nach Verlassen des Hauptsaales werfe ich Blicke in die vielen kleineren Säle und Konferenzräume. Viele stehen offen und präsentieren sich in verschiedenen Designs und Ausstattungen. An den Eingängen sitzt junges Wachpersonal. Da kaum Besucher*innen kommen, ist ihr Job äußerst ermüdend und sie legen schon mal den Kopf auf den Tisch, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.

Die Sessel in den einzelnen Konferenzräumen sind nach Inhalt und Größe der Versammlungen angeordnet. Ich kann mir hier die Delegationen von Staatsgästen vorstellen, die schon vorher festgelegte Ergebnisse für das Protokoll nochmals verhandeln.

Als ich die Halle des Volkes verlasse, komme China-0528ich wieder auf den Tiananmen-Platz und sehe in der Ferne an der gegenüberliegenden Seite des Platzes die Nationalbibliothek. Schade, dass ich diese nicht besucht habe, aber wahrscheinlich braucht man mehrere Tage, um sie wirklich zu besichtigen.
Nein, ich werde den Platz verlassen, um durch das Tor des Himmlischen Friedens zur Verbotenen Stadt zu gehen.

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Peking: der Tiananmen-Platz

Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens

Vor dem Tor des Himmlischen Friedens liegt der Tiananmen Platz, bei uns auch bekannt als Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens. Mit fast 400.000 Quadratmetern soll es der größte befestigte Platz der Welt sein – über elfmal so groß wie der Petersplatz.
Auf dem Platz begegne ich hauptsächlich chinesischen Touristen. Hier ist das politische Zentrum der chinesischen Hauptstadt und der Volksrepublik China und wenn die Menschen die Hauptstadt besuchen, gehört es dazu, hier gewesen zu sein. Auf dem Platz werden große Kundgebungen der Partei und Militärparaden durchgeführt. Im Westen wurde der Platz besonders durch das sogenannte Tiananmen-Massaker bekannt.

Tiananmen-Massaker

Mitte April 1989 fanden auf dem Tiananmen-Platz Sit-Ins und Kundgebungen einer Studentischen Demokratiebewegung statt, die darin gipfelten, dass der Platz besetzt wurde und im Mai des gleichen Jahres Versammlungen mit über 100.000 Teilnehmer*innen durchgeführt wurden.
Die gewaltsame Niederschlagung dieser Studentenunruhen am 2. und 3. Juni fand zwar nicht – wie oft geschrieben – auf dem Tiananmen-Platz selbst statt. Im Umfeld des Platzes und später in ganz Peking soll es nach Angaben des chinesischen Roten Kreuzes aber 2600 Tote und rund 7000 Verletzte gegeben haben.

China-0534Heute wird nur noch in Hongkong dieser Bewegung gedacht. Hier in Peking finden sich schon lange keine Spuren der Ereignisse mehr. Der Platz wird gesäubert und gehegt und gepflegt. Ich wunder mich über die mühselige Arbeit einer Frau, die mit gebeugtem Rücken die Ritzen zwischen den Steinen auskratzt. Gerade China hätte ich zugetraut, dass hier mit viel Chemikalien ans Werk gegangen wird. Ich stelle mir vor, wie die Frau innerhalb eines Jahres ans Ende des Platzes kommt und dann an der anderen Seite wieder von vorne beginnt. Wenn sie fünf Tage pro Woche arbeitet, hätte sie jeden Tag 1600 Quadratmeter zu bewerkstelligen! Ich hoffe und denke, sie wird Kolleg*innen haben, die ihr dabei helfen.

China-0157Kindervergnügen

Der Platz selber bietet außer Platz nicht viel. Da wird es den Kindern schnell langweilig, und sie fangen an, sich für die Ehrengarde der Polizei zu interessieren. Die auf einer Stelle stramm stehenden jungen Polizisten rühren sich nicht. Da reizt es die Kinder, sich den unbewegten Männern zu nähern und um ihre Beine herum zu laufen. Das Lachen wird dabei immer ausgelassener. Man merkt den Polizisten an, wie unangenehm es ihnen ist, doch dürfen sie scheinbar nicht eingreifen und auch nicht sprechen. Und die Eltern der Kinder interessiert überhaupt nicht, was ihr Nachwuchs treibt.
Plötzlich knallen die Polizisten ihre Hacken zusammen und gehen im Stechschritt einige Meter weiter um dort mit einem zweiten Hackenschlag wieder zum Stehen zu kommen. Die Kinder sind für einen Moment auf respektvollen Abstand gebracht. Doch hält dieser Moment nicht lange vor und das Spiel beginnt von Neuem.

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China-0478Auf und um den Tiananmen-Platz stehen mehrere wichtige Bauten. Diese Gebäude erkunde ich in einem gesonderten Beitrag: Die Gebäude am Tiananmen-Platz.

Immer wieder passieren kleinere Gruppen von Polizisten und/oder Militärs den Platz. Sie gehen selbstbewusst ihren Weg, manchmal im Weg stehende Touristengruppen umkurvend. Die Präsenz der Staatsmacht wird damit demonstriert.

Die Größe des Platzes wird auch durch mehrspurige Autostraßen bestimmt, die den Platz umrunden. Durch mobile Absperrungen kann dieser Bereich dem Platz einverleibt werden, der dann erst seine ganze Größe zeigt. Wenn die Bereiche befahren werden, relativieren sich die Ausmaße.

Flaggenparade

Als es zu dämmern beginnt, sammeln sich die Peking-0145Menschen um den Fahnenmast in Richtung des Tors des Himmlischen Friedens. Das abendliche Einholen der Flagge ist eine große Attraktion und besonders den Chinesen scheint es wichtig, dabei zu sein. Es wird zwar kühl, aber die Smartphones werden gezückt und gemeinsam harrt man der Dinge, die dort passieren.

Peking-0157Das Gelände wird großzügig abgesperrt, sodass viele Gäste einen guten Blick auf die Flaggenparade haben. Die bekannten Polizisten der Ehrengarde und Herren in schwarzen Anzügen formieren sich um den Flaggenmast während andere aufmarschieren, um die Chinesische Flagge einzuholen.  Mit dem Vollmond ergibt sich heute ein besonderes Fotomotiv und unzählige Smartphones werden ausgelöst.

Nach der Flaggenparade lehrt sich der Tiananmen-Platz zügig. Die Menschen strömen in die Unterführungen und zu den U-Bahnen. Der Platz bleibt verwaist zurück.

Peking: Tor des Himmlischen Friedens

Peking_06Das Tor des Himmlischen Friedens steht inmitten von Peking. Es diente über fünfhundert Jahre als Eingang zur kaiserlichen Palaststadt, dessen Zutritt nur Aristokraten gestattet war. Von der Tribüne proklamierte Mao Zedong hat am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China.
Peking-0113-Bearbeitet Bevor ich zum Tor komme, muss ich mich in die Schlange zur Sicherheitsüberprüfung einreihen. Körper und Taschen werden durchleuchtet, wie man es von Kontrollen an Flughäfen oder anderen gesicherten Einrichtungen kennt. China-0132

Im Abstand von wenigen Metern stehen immer wieder Paare junger Polizisten. Sie scheinen ein Art Ehrenwache zu bilden. In militärischer Strenge erlauben sie es sich kaum, mit den Augen in verschiedene Richtungen zu gucken. Ihre Körperhaltung ist streng und in 45° zum Bordstein ausgerichtet. Ob sie wohl eingreifen würden, wenn es einen Anlass dazu gäbe?
China-0464Gegenüber sehe ich, wie eine ältere Frau von mehreren Polizisten ins Visier genommen wird. In ihren Taschen könnte sie Dinge haben, die sie vor dem Tor verkaufen möchte. Die Polizisten tragen unterschiedliche Uniformen, was sie als Mitglieder verschiedener Einheiten ausweist. Das Gespräch scheint freundlich zu verlaufen, doch habe ich das Gefühl, dass es auch kippen könnte.

Eine Rekonstruktion

Das Torgebäude, dass sich uns heute zeigt, ist eine Rekonstruktion. Unter dem Vorwand, das Gebäude zu renovieren, wurde dieses 1969 abgedeckt und unter der Hülle heimlich abgerissen – ein Vorgang, der erst dreißig Jahre danach publik wurde. Der Charme des Originalen mit Spuren der Jahrhunderte bleibt bei derartigen Aktionen leider immer auf der Strecke. Am Tor des Himmlischen Friedens
Über dem Eingang hängt das berühmte Portrait Maos, links und rechts davon Schriftbänder: Lang lebe die Volksrepublik China! Und: Lang lebe die große Einheit der Völker der Welt!

Für Besucher*innen ist es eins der Fotos, die in Peking aufgenommen werden müssen: sich selber, die Familie und Freunde vor dem Mao Bildnis am Tor des Himmlischen Friedens.Am Tor des Himmlischen Friedens

Das Tor wird – wie schon die Zufahrt – von einer Ehrengarde bewacht. Ergänzt wird diese von Männern in schwarzen Hosen, hellblauen Hemden und dunklen Sonnenbrillen, die sich dadurch den Habitus von Mitarbeitern eines Geheimdienstes geben oder es auch sind.

Das Tor des Himmlischen Friedens ist das nationale Symbol Chinas. Es erscheint im Staatswappen und die Polizei und der vermeintliche Geheimdienst haben dafür zu sorgen, dass sich hier keine ungewollten Aktionen ereignen – die von 1989 wirken bis heute nach.

Maos BildnisAm Tor des Himmlischen Friedens

Das Maobild ist mit 6,4 x 5 Metern das wohl größte öffentlich ausgestellte Herrscherportrait überhaupt. Zudem ist es das weltweit am häufigsten reproduzierte Bildnis eines Menschen – obwohl es stetem Wandel unterliegt.
Durch seine Präsentation im Freien ist das Bild permanenten Umwelteinflüssen ausgesetzt und es wird daher jedes Jahr erneuert. Mao Zedong 2017Der Maler Ge Xiaoguang hat diese Aufgabe 1977 von seinem Lehrer übernommen und malt seitdem jährlich ein neues Portrait.
Da ich das Bildnis 2015 und 2017 fotografiert habe, kann ich einen Vergleich ziehen und sehen, dass sich das Bildnis sehr verändert hat: links oben das von 2015, rechts zwei Jahre später. Interessant wäre hier ein Vergleich aller Maoportraits seit 1950. Ge Xianoguang sagt in einem Interview, dass er die abgenommenen Portraits stets vernichten würde. Aber es gibt sicherlich unzählige Fotos.

Der Tiananmen-Platz

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Wenn ich dem Maoportrait den Rücken zuwende, blicke ich auf den Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens (Tiān’ānmén Guǎngchǎng) oder kurz den Tiananmen-Platz. Diesen Platz erkunde ich im nächsten Beitrag.