Nordkorea: Kooperative in Wonsan

Heute fahren wir von Pjöngjang Richtung Osten zur Stadt Wonsan und besichtigen dort eine landwirtschaftliche Kooperative. Da wir über Nacht bleiben, beziehen wir ein Hotel am Ostmeer. Die Stadt Wonsan sehen wir hauptsächlich aus der Perspektive unseres durchfahrenden Busses.

Pjöngjang - der Fluss Taedong-Gang am Morgen

Der Blick aus dem Fenster fällt am frühen Morgen des fünften Tages wieder auf das diesige Pjöngjang. Nebel, Regen, Trübnis. Und der Regen hört während unserer Fahrt nach Wonsan nicht wirklich auf. Es gibt Pausen, aber die Luft ist permanent mit Wasserpartikeln gesättigt.

Nordkorea, Berge, RegenWährend wir durch die Landschaft fahren, gibt es wieder angeregte Gespräche. Song San spricht den deutschen Außenminister an und dass dieser doch homosexuell sei. Nein, sagt Ralf, der jetzige nicht, sondern sein Vorvorgänger, Westerwelle, der war offen schwul. Ja, und der hat doch auch gesagt Ich bin schwul, und dass ist auch gut so warf Song San ein. Das war Wowereit, berichtigt Maike, der ehemalige Bürgermeister von Berlin. Es ist interessant, dass unser Reiseleiter dieses Thema anspricht. Nordkorea-1007-Bearbeitet
Wir sprechen dann über Homosexualität in Nordkorea und Song San sagt zunächst, dass es das in Nordkorea nicht gibt. Es dauert eine Weile, bis er sagen kann, dass es auch in Nordkorea Lesben und Schwule gibt. Wir waren positiv überrascht, dass er letztlich so offen mit uns darüber reden kann.

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Die Landschaft wird zunehmend gebirgiger. Ich hatte gelesen, dass in diesen Bergen enorme Bodenschätze lagern: neben Gold und Silber andere wertvolle Metalle und seltene Erden. Noch fehlt dem Land die Technologie, die Schätze zu heben. Aber in der Überlegung einer möglichen Wiedervereinigung und den befürchteten Kosten sind die Bodenschätze ein wichtiger Faktor, da hier nicht nur Kosten entstehen, sondern auch Ressourcen warten.
Nordkorea-0986-Bearbeitet-BearbeitetWir fahren an Ortschaften vorbei, die uns unbekannt bleiben. Jede Fläche rund um die Orte wird landwirtschaftlich genutzt. Insgesamt sind in Nordkorea wegen der Fülle an Hügeln und Bergen nur 17 % der Fläche landwirtschaftlich nutzbar. Daher muss jeder Winkel genutzt werden. Trotz dieser intensiven Nutzung ist es notwendig, wichtige Güter zu importieren, so Nordkorea-0979-Bearbeitet-Bearbeitetetwa 20% des benötigten Getreides. Und hier ist Nordkorea auf Devisen angewiesen, die oft fehlen. Zum traditionellen Reisanbau, der sich an der Westküste konzentriert, wird hier zunehmend der Anbau von Mais und Kartoffeln gefördert. Die Kartoffel ist äußerst nahrhaft, kann sich gut dem Klima anpassen und in Anbaupausen zwischen Reis und Weizen kultiviert werden.

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Die Wolken hängen weiter in den Bergen und scheinen uns einen verregneten Tag zu bescheren. Aus dem Auto heraus hat diese Perspektive eine gewisse Idylle, doch verleitet es nicht zum Aussteigen.

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Außerhalb von Wonsan besuchen wir eine bäuerliche Kooperative

Wonsan liegt am Japanischen Meer, oder, wie die Nordkoreaner sagten, am Koreanischen Ostmeer. Wir fahren zunächst durch die Stadt hindurch, um zu einem Museumsbahnhof zu fahren und eine landwirtschaftliche Kooperative zu besichtigen.

Nordkorea-1030-BearbeitetIm Museumsbahnhof steht die Eisenbahn, mit der Kim Il Sung im September 1945 nach der Kapitulation Japans in Nordkorea eingereist sein soll. Andere Quellen sprechen davon, dass er mit dem Schiff nach Wonsan kam und mit dieser Eisenbahn weiter nach Pjöngjang gefahren ist.Nordkorea-1040-Bearbeitet
Da es damals  noch keine koreanische Produktion gab, war es eine japanische Lok die Nordkorea, Wonsan, Museumsbahnhofeinige russische Waggons zog. In einem der Waggons ist ein Platz markiert, auf dem der Staatsgründer gesessen haben soll.
Für Nordkorea war jeder Ort und jede Gegebenheit, die mit dem Leben Kim Il Sungs in Verbindung stand, wichtig und verehrungswürdig. Hier wurden zudem ein Ort und ein Symbol geehrt, die für den Aufbruch und den Neubeginn stehen.

Außerhalb von Wonsan besuchen wir eine landwirtschaftliche Nordkorea, Wonsan, Landwirtschaft, KooperativeKooperative. Die Frau, die uns über das Gelände führt, hat einen Regenschirm dabei, doch zum Glück blieb es trocken. Sie erzählt, dass hier 1600 Menschen leben, darunter 300 Bäuer*innen. Die dörfliche Struktur des Kollektivs beschäftige daneben Menschen für die Verarbeitung der Produkte und für Dienstleistungen an der Gemeinschaft.

Auf einer Tafel sind die Verdienste der Kooperative verzeichnet und es werden Einzelne für besondere  Nordkorea, Wonsan, Landwirtschaft, KooperativeLeistungen hervorgehoben. Der Mensch braucht die Anerkennung und wenn diese nicht durch einen guten Verdienst und der damit möglichen materiellen Besserstellung sichtbar wird, müssen andere Wege gegangen werden.

Auf dem Gelände sind immer wieder Bilder Nordkorea-1071-Bearbeitet-2und Texte zu finden, die die Menschen in ihrer Arbeit motivieren sollen. Die Frage entstand, wie lange wohl solche Aufforderungen und Ermutigungen tragen und die eigene Trägheit überwinden helfen. Das Kollektiv funktioniert letztlich nur, wenn ihre Mitglieder es wollen und Einsicht in die Notwendigkeiten haben.

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Nordkorea-1058-BearbeitetAn einem Ochsenkarren, der an uns vorüber fährt, sehen wir, wie einfach das Leben hier ist. Zudem veranschaulichen die abgemagerten Ochsen, dass Futter fehle. Auch wenn die Landwirtschaft gut organisiert ist, fehlt die technische Infrastruktur, um effektiver zu sein. Wir sehen auch Traktoren, aber diese sind technisch veraltet. Dazu kommen klimatische Besonderheiten wie lange Regenzeiten, kalte Winter und eine lange Trockenzeit im Frühjahr, die einen kontinuierlichen Ackerbau erschweren.Nordkorea-1074-Bearbeitet

Ein Wandgemälde auf dem Gelände zeigt Kim Il Sung und Kim Jong Il neben einem Bauernpaar in einem endlos scheinenden Getreidefeld. Hier ist die Welt in Ordnung, der Ernteertrag steht außer Frage und die Menschen sind glücklich und zufrieden. Landwirtschaft im Postkartenidyll.

Nordkorea-1078-BearbeitetIm Badehaus gibt es einen kleinen Kiosk mit Dingen, die die Landwirtschaft nicht produziert: Bonbons, Limonaden, Feuerzeuge und Zahnbürsten. Die Auslage ist überschaubar und animiert uns nicht zum Kauf. Wir wissen auch nicht, ob wir hier mit Euro oder Chinesischen Yuan bezahlen können. Der Besitz von Nordkoreanischen Won ist uns nicht gestattet. Wir dürfen noch nicht einmal sehen, wie sie aussehen.Nordkorea, Wonsan, Landwirtschaft, Kooperative

Nordkorea, Wonsan, Landwirtschaft, KooperativeUnserer Führerin erzählt, dass die Aufzucht von Kakibäumen ein Schwerpunkt dieser Kooperative ist. Jetzt im Frühjahr ist von den großen orangen Früchten noch nichts zu sehen; noch nicht einmal eine Blüte, aus der sie erwachsen könnten. Eine Tafel lobt die Zucht und den Ertrag der Kaki.

 

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Die Gruppe, die wir im Kindergarten besuchen, spielt auf dem Hof. Die Kinder wirken in ihrer einfachen, farbenfrohen Kleidung authentischer als Kinder in der Nordkorea-1083-Bearbeitetkapitalistischen Welt, die viel mehr den verschiedensten Moden unterworfen sind. Die Mädchen und Jungen wirken auch zufrieden und gut genährt. Vielleicht wuchs hier eine neue Generation heran, denen es besser ging, als den Eltern.
Die Kinder spielen mit uns ein Staffellauf-Spiel. Es machte Spaß, aber ich habe sofort die Vorstellung, dass dies mit allen Gästen Nordkorea-1094-Bearbeitetveranstaltet wird und diese Vorstellung  trübte mein Vergnügen. Werden die Kinder nicht benutzt, um die Gäste emotional zu erreichen?

Die Räume des Kindergartens besuchen wir nicht. Als wir weiter gehen, steht eine Gruppe jüngerer Kinder auf dem Balkon und winkt uns zum Abschied. Ihre Erzieherin sieht mit ihrer Tracht eher wie eine kirchliche Krankenschwester aus.

Zum Abschluss unseres Rundgangs zeigt uns Nordkorea-1102-Bearbeitetdie Frau, die uns über das Gelände geführt hat, ihr Haus. Ihr etwa zehnjähriger Sohn wartet schon auf uns und begrüßte uns auf Englisch. Das Haus ist einfach und es gibt nur wenig Einrichtungsgegenstände. Ich frage den Jungen, ob ich von ihm und seiner Mutter ein Foto machen darf. Ja, das war ok und sie stellen sich im Wohnzimmer unter die Fotos der beiden Kims. Ob diese in jedem nordkoreanischen Wohnzimmer an der Wand hängen?
Hier hing noch ein anderer Bilderrahmen mit Fotos. Der Sohn erzählt, dass darauf sein Vater zu sehen ist, der verstorben war und sein älterer Bruder, der jetzt beim Militär ist.
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Die Mutter hat im Kollektiv die Aufgabe, Gäste über das Gelände zu führen.
Unter den wenigen Möbeln in der Wohnung sind ein Sofa, ein Bücherregal und ein großer Wandschrank. Auf einem Sideboard  steht ein mit einer Spitzendecke Nordkorea-1099-Bearbeitetzugedeckter Fernseher.
Als unsere kleine Gruppe die Wohnung verlässt, bemerkt der Sohn nicht, dass ich noch im hinteren Teil der Wohnung bin und etwas verzögert die Wohnung verlasse. Dadurch sehe ich, wie er gleich, nachdem er uns verabschiedet hatte, ins Wohnzimmer läuft, die Decke vom Fernseher nimmt und das Gerät anstellt. Hier kann man sehen, dass doch alle Kinder auf der Welt ähnlich sind. Wahrscheinlich musste er das Gucken einer Sendung unterbrechen, als wir ins Haus kamen, oder die Mutter erlaubte ihm immer dann Fernsehen zu gucken, wenn die Besucher*innen gegangen sind.

Um das Haus befindet sich ein sogenannter Küchengarten. Die ist eine Anbaufläche von 100 Quadratmetern, die jeder Familie zur Verfügung gestellt wird. Auf diesen Flächen ist es den Besitzer*innen gestattet, Gemüse und Obst für den eigenen Bedarf anzubauen und den etwaigen Überschuss auf Märkten zu verkaufen. Dieser private Handel ist gewollt, da er hoch produktiv ist und so der Ernährung der Gesamtbevölkerung dient. Die Erkenntnis, dass privat genutztes Land effektiver genutzt wird, wird bisher aber nicht ausgedehnt.

Unser Hotel liegt am Ostmeer

Nordkorea-1150-BearbeitetNach dem Besuch der Kooperative fahren wir zu unserem Hotel in Wonsan. Da wir morgen noch Einrichtungen in der Gegend besuchen wollen, übernachten wir in dieser mit 330.000 Einwohner*innen sechstgrößten Stadt des Landes.
Das Tongmyong Hotel hat nicht den Standard vom Yanggakdo in Pjöngjang, ist aber durchaus in Ordnung. Es hat acht oder neun Stockwerke und in dem oberen hat man einen Rundumblick auf die Stadt und das Meer.
Ralf und ich bekommen ein großes Zimmer. Ich würde hier nicht von einer Suite sprechen, es hat aber zwei Räume und einen tollen Ausblick.

Ein schmückender Wandkalender zeigt Bilder, wie man Fleisch anrichtet und auf dem Flachbildfernseher können wir nordkoreanische Sender empfangen. Ein Phänomen istNachrichtensprecherin (002) die Nachrichtensprecherin: Sie beginnt eine neue Nachricht in normalem Ton, steigert dann aber ihre Stimme von Satz zu Satz, bis sie vollkommen euphorisch und übersteigert redet. Ihre Stimme wird extrem hoch und schnell und man bekommt zunehmend Sorge, sie bricht gleich hyperventilierend zusammen.

Nordkorea-1191-BearbeitetAus unserem Zimmer und von der oberen Etage des Hotels können wir die Bucht und die darin liegenden Schiffe sehen. Die traditionellen Holzboote verbreiten ein romantisches Ambiente, die geringe Motorisierung schaft aber –  ähnlich wie beim Ackerbau – Probleme Nordkorea-1197-Bearbeitet-Bearbeitet-2beim Erreichen notwendiger Erträge. Wahrscheinlich ist diese Methode ökologisch viel sinnvoller, doch in der globalisierten Wirtschaft zählt dies leider nicht.

Nordkorea muss nicht nur für die eigene Bevölkerung sorgen, sondern auch von seinem Überschuss ins Ausland verkaufen, um Devisen für andere Güter zu erhalten. Zu diesen Nordkorea-1187-Bearbeitet-2Überschüssen gehören sicher die Fischgründe in den das Land umgebenden Meeren.

Am Ende der Bucht sehen wir einen langen Sandstrand. Wonsan ist ein beliebter Badeort für Einheimische und bei entsprechenden Temperaturen soll es hier auch ausländischen Gästen gestattet sein, im Meer zu baden. Diese Temperaturen fehlen heute eindeutig.

 

Song San fragt uns, ob wir noch eine Insel in Nordkorea-1144-Bearbeitetder Bucht oder lieber die Stadt besichtigen wollen. Wir entscheiden uns für die Stadtbesichtigung und fahren zu einem großen Platz. Das zentrale Gebäude ist eine Behörde oder – so wie in Pjöngjang – eine Volkshochschule nebst Bibliothek. Auf der Nordkorea, Wonsanlinken Seite steht es ein Warenhaus, das mich faszinierte. Mit den schmalen, hoch gefassten Scheiben in umlaufenden Fensterfriesen erinnerte das Gebäude an die Bauhaus Architektur. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die abgerundete Fassade.

Nordkorea-1139-BearbeitetAnsonsten ist Wonsan nicht besonders spektakulär. Wir hören, dass sich die einstige Industriestadt langsam zu einer Touristenstadt entwickelt. Da wir aber weder Industriegebäude noch  Freizeiteinrichtungen sehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar. Die von Ralf und mir in anderen Ländern praktizierte Erkundung von Stadträumen ist hier einfach nicht möglich. So bleiben einzelne, mehr oder weniger zufällige Blicke.

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Unter diesen Zufall fällt eine Ladenpassage. In Nordkorea-1186-Bearbeitet-2dieser Form haben wir Läden in Pjöngjang noch nicht gesehen. Es scheinen Läden zu sein, wie wir sie aus in jeder Stadt kennen: Kleidung, Fahrräder und Dinge des alltäglichen Bedarfs. Aber wir steigen nicht aus uns müssen auf einen Bummel verzichten.

Nordkorea-1134-BearbeitetDie Aussagen, die über Wonsan gemacht werden, sind gegensätzlich. So heißt es einerseits, dass der Bau von Hochhäusern der Hafenstadt ein Ambiente geben soll, dass dem von Hongkong entspricht. Andererseits soll es Anweisungen von der Führungsspitze geben, dass die Einwohnerzahl zu begrenzen sei, um den Freizeitcharakter der Stadt zu fördern.

Nur aus den Augenwinkeln sehen wir ein Nordkorea-1141-BearbeitetSchiff, das auf den Hafen verweist. Doch auch der Besuch des Hafens stand nicht auf unserem Besuchsprogramm und ist daher nicht möglich. Da er nicht nur als Fischereihafen dient, sondern auch ein bedeutender Marinestützpunkt ist, ergibt sich wahrscheinlich daraus die Erklärung, das wir den Hafen nicht besichtigten.

Monument, Führer, Wonsan, Nordkorea

Nach dem Monument der Führer war Zeit zum Fernsehen

Besichtigen können wir die bronzene Doppelstatue von Kim Il Sung und Kim Jong Il . Wir hatten gelernt, uns gebührlich zu benehmen und uns zur Verbeugung in einer Linie aufzustellen. Das Monument entspricht dem in Pjöngjang, ist hier aber kleiner und erst 2013 errichtet worden.

Nach dem Abendessen fahren wir ins Hotel. Wir haben uns noch mit Maike und Song San zum Tischtennis verabredet, was dann aber doch nicht stattfindet. Eigentlich sind wir auch geschafft und können es genießen, mal eine Stunde eher im Zimmer zu sein um Fotos zu sortieren und Tagebuch zu schreiben.

Im Fernsehen wird derweil die Parade zum 105. Geburtstag von Kim Il Sung übertragen, die Vorgestern in Pjöngjang stattgefunden hat. Jetzt sehen wir, wie die Massen mit ihren pinken und gelben Puscheln Formationen bilden, die verschiedene Texte und Zeichen ergeben. Innerhalb von Sekundenbruchteilen ändern sich die Ansichten. Es ist perfekt einstudiert.

Auf der Tribüne steht Kim Jong Un, um die Parade abzunehmen. Am Tag der Parade hatte ich Song San gefragt, ob der Marschall denn auch kommen wird. Er sagte, dass man dies im Vorfeld nicht wisse und auch nie genau sagen könne.

Nordkorea: Haus der Freundschaft

Unser erster Ausflug führt ins nördlich gelegene Myohyang-Gebirge. Auf dem Programm stehen das Museum für Völkerfreundschaft und der buddhistische Poyhon-Tempel. Zurück in Pjöngjang besuchen wir eine Aufführung im Schülerpalast bevor wir die abendliche Stadt zu Fuß erkunden.

Der Blick über die Stadt aus unserem Hotelzimmer ist fantastisch. Viel moderner, als ich erwartete und statt Grau in Grau eher Rosé in Türkis. Über der Stadt liegt Nebel. Ist es regnerisch oder liegt es daran, dass es noch so früh ist? Wir sollen das Hotel bereits um halb acht in Richtung Myohyang-Gebirge verlassen und müssen vorher noch in das 43 Stockwerke tiefer gelegene Frühstücksrestaurant mit einem Fahrstuhl, der so seine Zeit braucht.

Außer der Tatsache, dass es überhaupt etwas Besonderes ist, nach Nordkorea zu reisen, wird unsere Reise nicht besonders spektakulär sein. Wir werden die Orte besuchen, die allen Besucher*innen präsentiert werden. Speziell ist unsere kleine Gruppe und die Offenheit unseres Reiseleiters.

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Als wir draußen sind, sehen wir, dass es in der Nacht geregnet hat und Pjöngjang voller Pfützen ist, neben denen die Menschen zur Arbeit gehen.
Wie unterscheidet sich dieses Bild von anderen Städten? Der Autoverkehr ist sichtlich weniger und die Menschen gehen verhältnismäßig schnell. Es fehlen die Flaneure, die kleinen Stände am Straßenrand und das Schwätzchen der Nachbar*innen.

Vor einem öffentlichen Gebäude formiert sich eine Gruppe Frauen, uniformiert undNordkorea-0042-Bearbeitet-Bearbeitet rote Fahnen schwenkend. Song San sagt, dass dies eine Brigade ist, die die Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit begleitet. Durch derartige Aufmärsche wird gewährleistet, dass alle Menschen einen Arbeitsplatz haben. Für die Bevölkerung Nordkoreas äußerst wichtig, da sie nur mit einer Arbeitsbescheinigung berechtigt sind, Lebensmittelscheine zu beziehen.

Wir verlassen Pjöngjang Richtung Norden

Auf dem Weg passieren wir den Friedhof vonNordkorea-0053-Bearbeitet Pjöngjang. Leider haben wir keine Zeit, diesen zu besichtigen. Unser Besuchsprogramm ist eng getaktet und wir können nur etwas einbauen, indem wir auf Geplantes verzichten.

In unserem kleinen Bus hat sich jede*r spontan einen Lieblingsplatz gesucht. Für Ye Jin ist es nicht einfach mit unserer Gruppe. Sie spricht zwar gut Englisch, aber überhaupt kein Deutsch. Da wir uns aber untereinander und mit Song San nur auf Deutsch unterhalten und zeitweise auch intensiv diskutieren, ist es für sie nicht möglich, teilzuhaben. Da sie eher die Aufgabe der Aufpasserin hat – sie achtet etwa darauf, dass keine*r von uns nach dem Aussteigen eigene Wege einschlägt – ist es vielleicht ganz gut, dass sie unsere Gespräche nicht versteht. Christian bemüht sich um sie und führt öfter als wir anderen Gespräche auf Englisch mit ihr.

Neben Ye Sin und Song San haben wir zusätzlich einen Fahrer, dessen Name ich nicht weiß. Es ist sein Job, uns an den richtigen Ort zu bringen und ihm ist es sichtlich egal, wen er transportiert.
Der Fahrer ist bemüht, die Schlaglöcher auf der Autobahn zu umfahren. So kurvt Nordkorea-0057-Bearbeitetder Wagen manchmal extreme Schlenker oder er landet nach der geschickten Umrundung eines Loches mitten in einem Folgeloch, sodass wir alle an das Dach des Busses hüpfen.
Die Straße ist voll mit Schlaglöchern, die nur sporadisch ausgebessert werden. Wir sehen eine Gruppe Arbeiter, die ohne Maschinen dabei ist, die Löcher im Asphalt zu flicken. Da es weiterhin regnet, tragen einige einen Regenschutz, der allerdings nur aus einer dünnen Plastikfolie besteht.Nordkorea-0061-Bearbeitet

Ich schaue nach draußen, folge mit dem Blick den an der Scheibe rinnenden Tropfen und wische gelegentlich die beschlagene Scheibe ab, um weiter nach draußen blicken zu können. Immer wieder gehen Menschen die Straße entlang oder sitzen am Rand, um auf einen Bus oder eine andere Mitfahrgelegenheit zu warten.

Maike und Ralf sind in Gespräche mit Song San vertieft. Sie wollen nicht den allgemein vorhandenen Vorurteilen Raum geben, sondern durch die eigene Anschauung und durch Erklärungen verstehen und das Land kennen lernen. Maike war in der DDR aufgewachsen und durch ihre Sozialisation mit den Strukturen eines sozialistischen Staates vertrauter als wir.

Nordkorea-0075-BearbeitetDas Myohyang-Gebirge liegt etwa 150 km nördlich von Pjöngjang. Wir brauchen drei Stunden, wohl auch, da wir durch das Umfahren der Schlaglöcher nahezu die doppelte Strecke zurücklegen.
Das Gebiet zählt zu den fünf heiligen Gebirgen Koreas. Hier befindet sich eine große buddhistische Tempelanlage sowie die Feundschaftsausstellung – ein Muss für alle Besucher*innen.

Unterirdische Hallen als Museum für Völkerfreundschaft

Als wir uns der Eingangspagode der Freundschaftsausstellung nähern, wird dort gerade eine Gruppe junger Soldaten begrüßt. Die Männer sind insgesamt klein und schmächtig und wirken in ihren Uniformen eher wie Jungen. Vor unserer Reise las ich von der Unter- bzw. Mangelernährung. Diese soll behoben sein, doch gerade in ländlichen Gebieten war es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Hungersnöten gekommen. Die Soldaten machen den Eindruck, als ob sie während ihrer Entwicklung dieser Mangelernährung ausgesetzt waren.

Museum für Völkerfreundschaft, Freundschaftsausstellung, NordkoreaDas Museum für Völkerfreundschaft, wie die Freundschaftsausstellung offiziell hieß, ist ein Phänomen. In großen, unterirdischen Sälen und Gängen – es wird davon gesprochen, dass es über 50.000 Quadratmeter sind – lagern in gläsernen Schränken und Vitrinen Geschenke, die den Kims gemacht wurden. Das voluminöste Geschenk, dass wir auf unserer Führung sehen, ist ein Flugzeug in einer gesonderten Halle. Wie bei einem Buddelschiff fragt man sich, wie dies Flugzeug in die unterirdische Halle gekommen ist, da der einzige Zugang eine normale Tür ist.
In den Vitrinen liegt neben den Präsenten von Staatsoberhäuptern anderer Länder viel Kleinkram. Song San erzähle uns, dass jeder Mensch auf der Welt den nordkoreanischen Führern ein Geschenk machen könne und es möglich ist, dass dieses dann hier präsentiert wird.Museum für Völkerfreundschaft, Freundschaftsausstellung, Nordkorea
Die Botschaft ist eindeutig. Wir Besucher*innen sollen sehen, wie die Führer und Nordkorea von der Welt verehrt werden: Seht, wir haben überall Freunde, die uns durch Geschenke ihre Anerkennung ausdrücken.
Leider gibt es von unserem Besuch keine Fotos, denn das Fotografieren ist strengstens verboten. Am Eingang müssen alle Kameras und Handys abgegeben werden.Nordkorea-0098-Bearbeitet
Ein Höhepunkt der Tour durch die unterirdischen Gelasse sind Hallen mit den Wachsfiguren des Führers Kim Il Sung und dessen Frau Kim Jong Suk. Die Besucher*innen werden angehalten, sich respektvoll zu verhalten und sich – in einer Linie stehend – vor den Figuren zu verneigen.

Zum Abschluss unseres Rundganges werden wir in einen Andenkenladen geleitet. Hier dürfen wir mit unseren zurück erhaltenen Kameras wieder fotografieren. Zwischen den Andenken stehen die Mitarbeiterinnen in ihrer traditionellen Tracht.
Wie bei Besuchen von Einrichtungen in Nordkorea üblich, sollen auch wir uns in ein Gästebuch eintragen. Ralf übernimmt diese Aufgabe. Neben den deutschen Text schreibt Song San die koreanische Übersetzung.

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Kaum Mönche im buddhistischen Poyhon-Tempel

Nach der Freundschaftsausstellung besuchen wir den buddhistischen Poyhon-Tempel. Obwohl Religion in Nordkorea kaum eine Rolle spielt, garantiert die Verfassung Religionsfreiheit – wenn auch nur in dem Maß, „wie diese die Ordnung des Landes nicht gefährdet“. Laut Regierungsinformation sollen 0,2 % der Bevölkerung religiös sein, darunter Buddhisten, Christen und die Anhänger der (nord- und süd-) koreanischen Religion Cheondogyo, einer Glaubensgemeinschaft, die auf einen Absolutsheitsanspruch verzichtet und Aspekte unterschiedlicher Religionen in sich vereint.

Auf der großen Anlage des buddhistischen Tempels sind vereinzelt Mönche zu sehen, insgesamt wirkt es aber eher wie ein Freilichtmuseum. Die vor 1000 Jahren gebauten Tempel wurden rekonstruiert, nachdem sie im Koreakrieg zerstört worden waren.
Wir gucken uns in den Tempeln um und Song San bietet uns an, ein Räucherstäbchen vor der Buddhastatue zu entzünden. Da sich aber keine*r von uns mit den Riten auskennt, verzichteten wir.

Ohne Anhalter zurück nach Pjöngjang

Der Regen hörte noch immer nicht auf. Zwar gibt es zwischenzeitliche Pausen, doch die Wege sind nass und schlammig, sodass wir auf die geplante Besichtigung eines Wasserfalls verzichten. Song San und Ye Jin bemühen sich via Handy um ein Ersatzprogramm in Pjöngjang.

Die Rückfahrt dauert wieder drei Stunden. Die am Straßenrand Wartenden erheben sich manchmal und signalisieren mit erhobenen Händen, dass sie mitfahren wollen. Sie denken sicher, dass unser Bus der öffentliche ist und sie blicken entsprechend enttäuscht, als wir an ihnen vorbei fahren.
Die Frage an Song San, ob wir nicht Menschen mitnehmen könnten, da wir doch Platz haben, muss dieser ablehnen: nein, das ist nicht möglich.

Als wir an Soldaten vorbei fahren, kam das Gespräch auf die Einheit, die wir vor der Freundschaftsausstellung gesehen hatten. Das Leben als Soldat ist besonders für junge Nordkorea-1015-Bearbeitet-2Männer auf dem Land eine gute und zudem hochgeschätzte Möglichkeit, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Oft ist es sogar die einzige Möglichkeit, die ihnen bleibt.
Song San erzählt, dass es eine Wehrpflicht gibt, allerdings mit Ausnahmen. So war er nicht beim Militär, sondern konnte durch sein Studium der Nation auf andere Weise dienen. Das konfuzianische Weltbild, nach dem alle ihren bestimmten Platz im Leben haben und an dieser Stelle für das Wohl der Gemeinschaft sorgen, war Grundlage eines Denkens, dass dem koreanischen Sozialismus vorausgegangen war und dieses prägte.

Perfektion im Schülerpalast Mangyongdae

Nordkorea-0404-Bearbeitet-2In Pjöngjang sind für die morgigen Feierlichkeiten zum 105. Geburtstag des Staatsgründers viele Straßen gesperrt. Ye Jin verhandelt geschickt mit den Soldaten und Polizisten und so öffnet sich manche Schranke für uns. Wir müssen aber Umwege in Kauf nehmen und es dauert eine Weile, bis wir an unserem Ziel, dem Schülerpalast Mangyongdae, ankommen. Dort werden wir in eine der vorderen Reihen gesetzt um dem Spektakel zu folgen.

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Der Schülerpalast war eingerichtet worden, um Kindern und Jugendlichen eine nachmittägliche Beschäftigung außerhalb des schulischen Lehrplans zu bieten. Die Perfektion der Darbietung ging aber weit über die Präsentation einer nachmittäglichen Beschäftigung hinaus. Gesang, Musik und Tanz waren zu einer Choreografie vereint, die an jedem Musiktheater bestehen könnte. Am ehesten berührte es mich allerdings, Schülerpalast Mangyongdae, Pjöngjang, Nordkoreawenn doch eine kleine Unsicherheit zu spüren war.  Es scheint doch ein Drill, dem die jungen Menschen ausgesetzt sind, oder, wenn man es positiver ausdrücken möchte, eine Begabtenförderung. Für mich bleibt ein zwiespältiger Eindruck: die Hochachtung vor den Leistungen verbunden mit einer Ahnung, wie viel Tränen wohl geflossen sind, um das zu erreichen.

Zum Ende der Aufführung gehen einzelne Kinder zu den Ehrengästen in der ersten Reihe, um diese zum Tanz aufzufordern. Den Gästen ist es zunächst unangenehm, sie lassen sich aber bitten und drehen sich dann mit den Kindern zur Musik.Nordkorea-0210-Bearbeitet

Als wir aus dem Schülerpalast kommen, dämmert es bereits. Vor dem Eingang warten Mercedes-Limousinen mit verdunkelten Scheiben und laufendem Motor, um die Ehrengäste abzuholen. Wir gehören nicht dazu. Unser Bus wartet in gebührendem Abstand.

Der Fahrer fährt uns zum Abendessen. Neben dem Frühstück im Hotel werden uns täglich zwei Mahlzeiten in stets wechselnden Restaurants präsentiert. Das Essen ist vorzüglich und immer mehr, als wir essen konnten. Der Tisch wird mit kleinen Tellern oder Schüsseln vollgestellt und oft fehlt der Platz, alles unterzubringen. Wenn wir fast satt sind, heißt es, die Vorspeisen werden nun abgeräumt und der Hauptgang folgt. Also lernen wir, auch die Vorspeisen halb gegessen zurückgehen zu lassen. Zum Essen gibt es Wasser, Tee und koreanisches Bier. Die Brauerei Taedonggang, die in einem Vorort Pjöngjangs liegt, produziert ein sehr schmackhaftes Bier.

Der Überfluss, der uns geboten wird, ist etwas beschämend, da die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln lange Zeit ein Problem war oder immer noch ist. Noch heute ist Übergewicht – abgesehen vom Führer – kein erkennbares Thema. Uns wird aber vermittelt, dass es keinen Mangel mehr gibt.

Ein abendlicher Rundgang zum Chuch’e-Turm

Nach dem Essen fahren wir durch das abendliche Pjöngjang. Seit einer Stunde ist die Sonne untergegangen, Straßen und Häuser sind Nordkorea-0239-Bearbeitetbeleuchtet und Autos fahren durch die nächtliche Stadt.
Als unser Fahrer am Straßenrand hält, stiegen wir aus und gehen zu Fuß weiter. So werden wir Teil des Alltags der nordkoreanischen Hauptstadt an einem Freitagabend, Mitte April, 20.00 Uhr.
Wir kommen an einen Platz, auf dem der Turm steht, den ich bereits gestern vom Hotelzimmer aus gesehen hatte. An der Spitze leuchtet in 170 Metern Höhe eine Fackel aus rotem Glas.

Der Chuch’e-Turm ist das Zeichen einer Ideologie, die vom ersten Präsidenten Kim Jong Il entwickelt wurde. Inhalt dieser Ideologie ist eine Abgrenzung Nordkoreas vom Marxismus-Leninismus und sie stellt die Interessen der eigenen Nation über die der internationalen kommunistischen Bewegung. Die drei Prinzipien der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Souveränität sollen die Revolution vorantreiben – geleitet von der Partei und dem Führer.

Nordkorea-0248-BearbeitetAls wir zum Hotel zurück fahren, sehen wir auf der anderen Flussseite die Skyline von Pjöngjang. Hatte die Ideologie Erfolg und gibt es einen wirtschaftlichen Erfolg, der im Westen nicht thematisiert wird? Die Hochhäuser vermitteln diesen Eindruck.

Nordkorea: Ankunft in Pjöngjang

Nach fast dreistündigem Warten auf dem Capital Airport von Peking startet unsere Air Koryo Maschine Richtung Nordkorea. In Pjöngjang begrüßt uns unser Reiseleiter und begleitet uns ins Hotel Yanggakdo. Dort werden wir scheinbar genau beobachtet.

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Wie die meisten Gäste starten auch wir unseren Flug Richtung Nordkorea vom Capital Airport in Peking. Da wir ohnehin einige Tage in Chinas Metropole verbringen wollten, war es für uns die beste Route.
Air Koryo steht auf dem Flugzeug, das wir durch die Scheibe sehen. In der Abfertigung warten neben Ralf und mir hauptsächlich Asiaten – wahrscheinlich Koreaner und Chinesen.

Nun reisen wir also wirklich in dieses abgeschottete Land. War es Abenteuerlust, der Reiz des Außergewöhnlichen, Neugier? Sicher sind dies immer Gründe, ein neues Land zu entdecken. Wir waren in den vergangenen Jahren in China, Japan und Südkorea – haben Nordkorea praktisch umrundet, um nun ins Zentrum zu rücken. Aber es war eben doch ganz anders. Es gab die Vorbehalte gegenüber dem Regime, Ängste, Repressalien ausgesetzt zu werden und das mentale Training, immer freundlich zu bleiben. Als Gast in einem anderen Land sollte man dies immer sein, aber hier stand der Wille dahinter, einem Überwachungsstaat keine Gelegenheit zu bieten, misstrauisch zu werden. Diese Haltung schafft Unsicherheit und die ist sicher auch gewollt.

Der Start des Flugzeuges verspätet sich, da das Flugfeld des Pekinger Flughafens total überlastet ist. Wie warten fast drei Stunden, bis es endlich in die Luft geht. Der Flug verläuft dann reibungslos.

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Wie in allen Flugzeugen besteht auch das Personal dieser staatlichen nordkoreanischen Fluggesellschaft aus meist weiblichen, freundlichen und gut aussehenden Stewardessen. Ungewöhnlich ist die Bordverpflegung: während Passagieren in Europa auf einem kurzen Flug ein Müsliriegel gereicht wird, ist es hier nicht etwa ein Schälchen koreanisches Kimchi, sondern ein Hamburger. Was ist das für eine Aussage? Wir können nicht nur Bomben bauen, wie die Amerikaner, wir können auch so essen wie sie?!

Landung in Pjöngjang

Ankunft in Pjöngjang

Nach der Landung in Pjöngjang sind die Einreiseformalitäten sind schnell erledigt. Wir werden gefragt, ob wir eine Kamera, einen Laptop oder Bücher dabei haben. Mein E-Book interessiert keinen und das Löschen vieler Bücher im Vorfeld wäre nicht nötig gewesen. Auch die anderen technischen Geräte werden durchgewunken – kein Blick in den Laptop. Ralf muss allerdings einen Reiseführer abgeben: Nordkorea – Geschichte, Kultur, Sehenswürdigkeiten von Arno Maierbrugger. Dieser wird als kritisch eingestuft und die Mitnahme nicht geduldet. Erst später erfahren wir, dass wir ihn bei der Ausreise hätten wieder bekommen können.

In der Wartehalle werden wir von Song San in Empfang genommen. Mit ihm warten unsere zweite  Reisebegleiterin Ye Jin und Christian, ein Lehrer aus Nürnberg. Christian war schon einen Tag zuvor mit dem Zug gekommen – die andere Möglichkeit, von China aus einzureisen. Song San fragt uns, wie unsere Reise gewesen und ob alles gut verlaufen ist. Es erstaunt uns, wie gut er Deutsch spricht und wir glauben, dass er einige Jahre in Deutschland gelebt hat, beziehungsweise dort aufgewachsen ist, da er überhaupt keinen Akzent hat. Nein, er hatte Nordkorea noch nie verlassen und Deutsch nur über das Studium, das Lesen von Büchern und Gucken von deutsch synchronisierten Filmen gelernt. Ich hätte nicht gedacht, dass das in dieser Perfektion möglich ist.

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Maike kommt mit der nächsten Maschine, auf die wir warten, da sich eine zwischenzeitliche Rückfahrt in die Stadt nicht lohnt. Sie ist eine Softwareentwicklerin aus Berlin und komplettiert unsere kleine Gruppe.

Es ist bereits 21.30 Uhr, als wir nach Pjöngjang reinfahren und inzwischen dunkel. Die Dunkelheit verstärkt den Eindruck, in ein Land zu fahren, das so anders und unbekannt war. Vorsichtig mache ich einige Fotos. Noch weiß ich nicht, dass es für Song San und Ye Jin oder für die Nordkoreaner überhaupt kein Problem ist, wenn Besucher*innen fotografieren.

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Der Hauptbahnhof ist beleuchtet und es zeigen sich hier für uns erstmals die Portraits der Führer Kim Il Sung und Kim Jong Il, die wir in den nächsten Tagen so oft sehen werden. Kim Il Sung, Staatsgründer und Ewiger Präsident Nordkoreas, war der Großvater des heutigen Obersten Führers und Marschalls Kim Jong Un. Der Vater, Kim Jong Il, bekam posthum die Titel des Ewigen Generalsekretärs und des Ewigen Vorsitzenden. Eine derartige Familiendynastie an der Spitze eines Staates ist – außerhalb von Monarchien – einzigartig.

Quartier im Yanggakdo Hotel

Wie die Mehrzahl der ausländischen Gäste werden auch wir im Hotel Yanggakdo International einquartiert. Auf einer Flussinsel gelegen, eignet es sich wahrscheinlich gut, Besucher*innen zu separieren. Die Zimmer sind einfach, aber gut.

In diesem Hotel wurde auch der US-amerikanische Tourist Otto Warmbier festgenommen. Ihm war zur Last gelegt worden, ein Propagandabanner gestohlen zu haben und er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Warmbier wurde kurz nach unserem Nordkoreaaufenthalt frühzeitig aus der Haft entlassen, da er im Koma lag. Er starb wenig später in seiner Heimat. Der Fall erregte weltweit Aufsehen und beeinflusste auch meine gerade entwickelte Haltung, die aus der gemachten Anschauung ein gewisses Verständnis für die Strukturen Nordkoreas enthielt.

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Ich blicke aus unserem Fenster im 43. Stock. Vor mir liegt Pjöngjang, nur wenige Häuser sind beleuchtet. Nach rechts blickend sehe ich über dem Fluss ein hell erleuchtetes Gebiet. Dies muss der Kim-Il-Sung-Platz sein, städtebauliches und symbolisches Zentrum der Stadt. Werden hier die Gebäude illuminiert oder gibt es eine Veranstaltung? Auf der gegenüberliegenden Seite leuchte die rote Fackel auf dem Turm der Chuch’e-Ideologie. Dazwischen schwarz und breit der Fluss.

Wir fahren mit dem Fahrstuhl nochmal ins Foyer. Beim Einchecken haben wir kaum etwas gesehen und wir wollen uns umgucken, wo wir sind.
Die Halle ist jetzt weitgehend leer. Es gibt zwei kleinere Läden, die Andenken und Bücher für die Gäste verkaufen. Die Bücher von und über die Kim-Dynastie gibt es in mehreren Sprachen.

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Als wir weiter schlendern und Richtung Hotelausgang kommen, steht plötzlich Song San neben uns. Wie es uns gehe und ob wir etwas suchen würden. Nein, wir gucken uns nur um und werden auch bald schlafen gehen. Er schlendert mit zurück zum Fahrstuhl und wünscht uns eine gute Nacht.

War es Zufall, dass unsere Reiseleitung vor uns stand, als wir uns dem Ausgang näherten, oder werden wir tatsächlich derart genau beobachtet und überwacht? Wir sind uns nicht sicher, wie es einzuordnen ist.