Peking: die Verbotene Stadt

China-1236In der Verbotenen Stadt lebten und regierten die chinesischen Kaiser der Ming und Qing Dynastie von 1420 bis zur Revolution 1911. Der letzte Kaiser verließ den Palast erst zwölf Jahre nach seiner Abdankung und so dauerte es bis 1924, bis der Kaiserpalast öffentlich zugänglich wurde. Seitdem ist die Verbotene Stadt ein touristisches Highlight.
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Der Weg in die Verbotene Stadt führt durch das Tor des Himmlischen Friedens. Vorbei an den mit Sonnenbrillen, hellblauen Oberhemden und beigen Cappys uniformiertem Wachpersonal. Ist das eine private Sicherheitsfirma oder die Mitglieder einer Staatsschutzpolizei? Sie vermitteln auf jeden Fall überzeugend, dass man sich hier zu benehmen hat.

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Eine Anlage des Kaiser Yongle

Die Anlage des Kaiserpalastes besteht China-1235im vorderen Bereich aus weit auseinander stehenden Gebäuden mit dazwischen liegenden großen Plätzen, die äußerst schmucklos sind. Kein Baum, keine Bänke oder andere Details der Gestaltung animieren zum Verweilen. Die Menschen strömen von einem Gebäudekomplex zum nächsten. Auf den Plätzen ist man der schon recht warmen Sonne ausgesetzt und versucht eigentlich nur, wieder in den nächsten Schatten zu kommen.
Vielleicht musste der Kaiser Yongle, unter dem 1406 mit dem Bau der Verbotenen Stadt begonnen wurde, durch den Abstand gewährleisten, dass auch zu ihm genug Abstand gewahrt blieb?

In einem Abschnitt werden die breiten Plätze dann durch kleine Gräben aufgelockert. Und als ich mich abseits der Hauptachse bewegte, kam ich an Palästen vorbei, die viel idyllischer lagen und kaum besucht wurden.

9.999½ Räume

Auf der Anlage der Verbotenen Stadt, die mit 720.000 m² etwa doppelt so groß ist wie der Tiananmen-Platz, stehen 890 Paläste mit so schönen Namen wie der Halle der Wahrung der Harmonie, dem Palast der Himmlischen Reinheit und dem der Irdischen Ruhe und der Halle zur Bildung der Gefühle. China-1217
Nach einer Legende soll es in den Palästen und Pavillions 9.999½ Räume geben, da eine Palastanlage mit 10.000 Räumen nur im Himmel existieren könne. Natürlich wird heutzutage nachgerechnet: danach existieren in den Palästen und Pavillons der Verbotenen Stadt 8.886 Räume – es kann also noch angebaut werden.
Umgeben ist die Verbotene Stadt von einer zehn Meter hohen Mauer und einem 3,8 Kilometer langen Graben.

China-1216In einem zentralen Palast sind Teile der Kunstsammlung der chinesischen Kaiser zu sehen. Das Licht ist gedimmt und Spots leuchten kleine Kostbarkeiten aus Jade und Marmor aus. Neben den Kunstwerken sind Haushalts- und Repräsentationsgegenstände kaiserlicher Dynastien ausgestellt.
Viele der Gegenstände mussten auf Auktionen zurück gekauft wurde, nachdem sie in den ersten Jahren nach der Kaiserpalast, Peking, ChinaRevolution vom Umfeld des letzten Kaisers zur Finanzierung des Hofes veräußert wurden. Der Zustand der kaiserlichen Kunstsammlung war in der Geschichte stets ein Gradmesser für die Stärke des Regenten. Dieser traditionelle Bezug wirkt bis heute nach.

Einblicke

Andere Gebäude sind nur von außen zu betrachten. Der Andrang ist groß und man muss sich als Teil der Masse dem langsame Vorwärtskommen hingeben. Vorne angekommen gibt es einen Blick auf den Thron im Palst der Himmlischen Klarheit und auf andere Räume, in denen die Kaiser regiert und gelebt haben.

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In den Möbeln und Teppichen, in der Wand- China-1265und Deckenverkleidung kann man deren Alter erahnen und spürt in ihnen die Authentizität des Lebens des chinesischen Hofstaates.
Von außen wirken die Gebäude dagegen oft zu glatt, da sie in den Jahren vor 2008 aus Anlass der olympischen Sommerspiele aufwendig restauriert wurden. Die Details wurden zwar liebevoll behandelt, doch bleibt es in großen Teilen eine Rekonstruktion und diese übertüncht zwangsläufig Gebrauchsspuren. China-1281Dadurch tendiert Kunst und Kunsthandwerk leicht zu Kitsch, da es den Eindruck vermittelt, neu zu sein, stilistisch aber alt ist. Dies ist aber ein Dilemma jeglicher Renovierung.

1987 wurden viele Szenen des Spielfilms Der letzte Kaiser hier an den Originalschauplätzen gedreht.Filmstil: Der Letzte Kaiser

Der Monumentalfilm zeigt das Leben des Kaisers Puyi, der 1908 als Zweijähriger auf den Thron kam, bis 1924 in der Verbotenen Stadt lebte und 1967 als einfacher Gärtner – so erzählt es der Film – in Peking gestorben ist. Insgesamt sollen 19.000 Statisten in dem Film mitgewirkt haben, die auch für eine Belebung der weiten Plätze sorgten.

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Der Kaiserliche Garten

Zum Ende der Tour durch die Verbotene Stadt kommt man zum Kaiserlichen Garten und damit zu einem Bereich, der mit seinen Beeten und Bäumen, seinen kleinen Plätzen und Details eine Aufenthaltsqualität bietet, die in den anderen Bereichen der Verbotenen Stadt fehlt. Hier ist Entspannung angesagt. Alle wichtigen Paläste sind abgehakt und man kann sich Gedanken machen, wie der zweite Teil des Tages genutzt werden kann. Warum nicht einfach hier im Schatten der Bäume sitzen bleiben und über die Kaiserzeit oder die müden Füße nachdenken?

Im Garten steht ein kleiner Pavillon, bei dem sich gut vorstellen lässt, wie dem Kaiser hier der Tee gereicht wurde, während sein Blick über die Blumenbeete wanderte. Aber hier im Garten wurde 1803 auch ein Attentat auf den Kaiser von einem Mann verübt, dessen Beweggrund seine große Armut gewesen sein soll.

Die Wege im Kaiserlichen Garten wurden besonders gestaltet: mit Mosaiken aus bunten Kieselsteinen und Scherben. Sie zeigen verschiedenste Ornamente und Bilder – insgesamt sollen es an die 900 Bilder sein.
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Und natürlich gehört zu dieser Anmut auch das Bedürfnis, sich selber und seine Liebsten in Erinnerung zu behalten. Kinder, Paare und Gruppen posieren für das Erinnerungsfoto.China-1305

Ein besonderer Ort für Paare ist das Foto vor den alten Bäumen, die sich umschlingen.
In der Geschichte zu diesen Bäumen heißt es, dass der König die Frau eines Untergebenen begehrte und er diesen deshalb töten ließ. Bei der Beerdigung sei die umworbene Frau dann in das Grab des getöteten Mannes gesprungen und ebenfalls gestorben. Aus dem Grab wuchsen zwei Bäume, die sich umschlingen und als Symbol für die treue Liebe gelten.

Hinter dem Kaiserlichen Garten befindet sich der Ausgang aus der Verbotenen Stadt. Erst hier sehe ich, wie die hohe Mauer und der davor liegende breite Graben das Areal umgeben.
Auf der anderen Seite des Wassers beginnen die traditionellen Wohnbezirke Pekings, die Hutongs. Einige der engen Gassen werde ich im nächsten Beitrag aufsuchen.

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