Peking: der Tiananmen-Platz

Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens

Vor dem Tor des Himmlischen Friedens liegt der Tiananmen Platz, bei uns auch bekannt als Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens. Mit fast 400.000 Quadratmetern soll es der größte befestigte Platz der Welt sein – über elfmal so groß wie der Petersplatz.
Auf dem Platz begegne ich hauptsächlich chinesischen Touristen. Hier ist das politische Zentrum der chinesischen Hauptstadt und der Volksrepublik China und wenn die Menschen die Hauptstadt besuchen, gehört es dazu, hier gewesen zu sein. Auf dem Platz werden große Kundgebungen der Partei und Militärparaden durchgeführt. Im Westen wurde der Platz besonders durch das sogenannte Tiananmen-Massaker bekannt.

Tiananmen-Massaker

Mitte April 1989 fanden auf dem Tiananmen-Platz Sit-Ins und Kundgebungen einer Studentischen Demokratiebewegung statt, die darin gipfelten, dass der Platz besetzt wurde und im Mai des gleichen Jahres Versammlungen mit über 100.000 Teilnehmer*innen durchgeführt wurden.
Die gewaltsame Niederschlagung dieser Studentenunruhen am 2. und 3. Juni fand zwar nicht – wie oft geschrieben – auf dem Tiananmen-Platz selbst statt. Im Umfeld des Platzes und später in ganz Peking soll es nach Angaben des chinesischen Roten Kreuzes aber 2600 Tote und rund 7000 Verletzte gegeben haben.

China-0534Heute wird nur noch in Hongkong dieser Bewegung gedacht. Hier in Peking finden sich schon lange keine Spuren der Ereignisse mehr. Der Platz wird gesäubert und gehegt und gepflegt. Ich wunder mich über die mühselige Arbeit einer Frau, die mit gebeugtem Rücken die Ritzen zwischen den Steinen auskratzt. Gerade China hätte ich zugetraut, dass hier mit viel Chemikalien ans Werk gegangen wird. Ich stelle mir vor, wie die Frau innerhalb eines Jahres ans Ende des Platzes kommt und dann an der anderen Seite wieder von vorne beginnt. Wenn sie fünf Tage pro Woche arbeitet, hätte sie jeden Tag 1600 Quadratmeter zu bewerkstelligen! Ich hoffe und denke, sie wird Kolleg*innen haben, die ihr dabei helfen.

China-0157Kindervergnügen

Der Platz selber bietet außer Platz nicht viel. Da wird es den Kindern schnell langweilig, und sie fangen an, sich für die Ehrengarde der Polizei zu interessieren. Die auf einer Stelle stramm stehenden jungen Polizisten rühren sich nicht. Da reizt es die Kinder, sich den unbewegten Männern zu nähern und um ihre Beine herum zu laufen. Das Lachen wird dabei immer ausgelassener. Man merkt den Polizisten an, wie unangenehm es ihnen ist, doch dürfen sie scheinbar nicht eingreifen und auch nicht sprechen. Und die Eltern der Kinder interessiert überhaupt nicht, was ihr Nachwuchs treibt.
Plötzlich knallen die Polizisten ihre Hacken zusammen und gehen im Stechschritt einige Meter weiter um dort mit einem zweiten Hackenschlag wieder zum Stehen zu kommen. Die Kinder sind für einen Moment auf respektvollen Abstand gebracht. Doch hält dieser Moment nicht lange vor und das Spiel beginnt von Neuem.

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China-0478Auf und um den Tiananmen-Platz stehen mehrere wichtige Bauten. Diese Gebäude erkunde ich in einem gesonderten Beitrag: Die Gebäude am Tiananmen-Platz.

Immer wieder passieren kleinere Gruppen von Polizisten und/oder Militärs den Platz. Sie gehen selbstbewusst ihren Weg, manchmal im Weg stehende Touristengruppen umkurvend. Die Präsenz der Staatsmacht wird damit demonstriert.

Die Größe des Platzes wird auch durch mehrspurige Autostraßen bestimmt, die den Platz umrunden. Durch mobile Absperrungen kann dieser Bereich dem Platz einverleibt werden, der dann erst seine ganze Größe zeigt. Wenn die Bereiche befahren werden, relativieren sich die Ausmaße.

Flaggenparade

Als es zu dämmern beginnt, sammeln sich die Peking-0145Menschen um den Fahnenmast in Richtung des Tors des Himmlischen Friedens. Das abendliche Einholen der Flagge ist eine große Attraktion und besonders den Chinesen scheint es wichtig, dabei zu sein. Es wird zwar kühl, aber die Smartphones werden gezückt und gemeinsam harrt man der Dinge, die dort passieren.

Peking-0157Das Gelände wird großzügig abgesperrt, sodass viele Gäste einen guten Blick auf die Flaggenparade haben. Die bekannten Polizisten der Ehrengarde und Herren in schwarzen Anzügen formieren sich um den Flaggenmast während andere aufmarschieren, um die Chinesische Flagge einzuholen.  Mit dem Vollmond ergibt sich heute ein besonderes Fotomotiv und unzählige Smartphones werden ausgelöst.

Nach der Flaggenparade lehrt sich der Tiananmen-Platz zügig. Die Menschen strömen in die Unterführungen und zu den U-Bahnen. Der Platz bleibt verwaist zurück.

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Veröffentlicht von

Matthias Haun

Nach meinem Kunststudium mit dem Schwerpunkt Freie Malerei begann ich vor zwanzig Jahren, mich intensiv mit Fotografie zu beschäftigen. Ich beteiligte mich an Ausstellungen, arbeitete an Aufträgen und gestaltete Bildbände (s. meine Website: www.matthiashaun.de). Für die textliche Ergänzung besuchte ich Kurse für Kreatives Schreiben, Lehrgänge zum Journalismus und Fortbildungen an der Bundesakademie für kulturelle Bildung. Der Blog ist für mich jetzt eine gute Möglichkeit, die Kombination von Fotografie und Text zu veröffentlichen. Website: www.reisebilder.blog Mail: kontakt@matthiashaun.de